TESTBERICHTE
Yamaha XJ 900 N
Das Auslaufmodell
Weitestgehend originale Substanz
Was ein echter Youngtimer ist, der hat schon ein bewegtes Leben hinter sich. So kann auch dieses, durch Zufall in unsere Hände und vor die Linse geratene Exemplar nicht verbergen, dass einige Teile etwas gelitten haben. Es fehlen zum Beispiel die Ölkühlerhutzen unterhalb des Tanks. Und auch die Originallackierung hat ein paar Kerben abbekommen. Die Substanz allerdings ist prima und weitestgehend original. Auch, wenn der neue Besitzer einige kleine, Modifikationen bereits durchgeführt hat.
Livin‘ in the 80s
Modifikationen gab‘s Werksseitig an der neuen N reichlich. Neue Instrumente und der schon erwähnte „Suchscheinwerfer“ dürften die prägnantesten sein. Aber auch das nun kombinierte Zünd-/Lenkerschloss half dem modernen XJ-Treiber der 80er Jahre ein Stück in die Zukunft. Weniger ist manchmal mehr und deshalb verzichtete Yamaha bei der N auf das unsägliche Anti-Dive-System der Vorgänger-Gabel. Klassische Schlichtheit war gefragt. Und warum sollte sich Yamaha Motorrad mit etwas plagen, dass auch Kawasaki nicht in den Griff bekam. Stattdessen Konzentration auf das Wesentliche: Vier Zylinder, zwei Chrom-Endrohre und, ganz wichtig, keine Verkleidung machen das Naked-Bike aus. Die Gussfelgen entsprechen dem Zeitgeist und sind leicht zu pflegen.
Turbinator
Und wenn die Vergaser gerade mal nicht überlaufen, erstaunt die Performance den Piloten. Entsetzlicher Schub wird frei. Und zwar ab Standgas. Selbst Fahrern moderner Sporteisen wird beim Öffnen der Drosselklappen mitunter ganz schwindelig. Dass Yamaha vor fast 20 Jahren schon einen derart kräftigen und kultivierten Vierzylinder baute, ist heute kaum mehr jemandem bewusst. Bis man mal auf einer XJ Platz genommen hat. Nun wissen wir wenigstens warum die XJ-Gemeinde sich nur ungern von ihren Maschinen trennt und auch für alte, wenig gut erhaltene Exemplare ordentlich Euros hingeblättert werden müssen. Das typische Pfeifen beim Beschleunigen stammt übrigens vom Primärantrieb.

