TESTBERICHTE
Puch Maxi N, Bj. 1978
Zurück in die Zukunft

Was hätte unsere Freundin Gila Altmann während ihrer Amtszeit als Staatssekretärin im Bundesumweltamt wohl zu einem Gefährt gesagt, das an keiner roten Ampel die Luft verpestet, weil man kurzentschlossen auch den Rad- oder Fußgängerüberweg nutzen kann, das selbst bei Vollgas kaum hörbar vorüberzieht, nur etwas mehr als einen Liter Kraftstoff auf 100 km verbraucht, im ruhenden Verkehr so gut wie keinen Platz beansprucht und für 3,50 Euro vollgetankt werden kann? Ganz einfach: es wäre schlicht und einfach die Inkarnation ihres Wunschtraums „Future Bike“!
Billigmeier
Zudem liegt der Anschaffungspreis deutlich unter 200 Euro, die Kfz-Steuer geht gegen Null, die Versicherung schlägt mir 49 Euro pro Jahr zu Buche, die Wartungskosten bewegen sich auf Taschengeld Niveau und die Handhabung ist denkbar einfach. Die Rede ist von einer 25 Jahre alten Mofa Namens Puch Maxi N, die bei genauer Betrachtung der heutigen gesetzlichen und finanziellen Gegebenheiten ihren zweiten Frühling erlebt. Nicht von ungefähr sieht man immer mehr Mofas, Kleinkrafträder und Roller auch älteren Baujahrs im städtischen Verkehrsbild herumgondeln. Und das nicht etwa, weil alle Menschen auf einmal ihre nostalgische Ader entdeckt haben, sondern weil sich viele ein Auto schlicht nicht mehr leisten können und deshalb wieder auf kostengünstige Fortbewegungsarten zurückgreifen.
Maximales Vergnügen
Nach dreitägigem Putzen und Säubern des Kraftstoffweges erstrahlte unsere Maxi nicht nur wieder in neuem Glanz, sondern sprang spontan auf den ersten Tritt an. Und ab ging’s, erstmal mit 12,5 km/h den Berg hoch, aber dafür dann mit über 30 wieder hinunter. Inzwischen läuft dat Puch auf gerader Strecke locker über 30 Sachen. 10 Jahre als Kellerkind verlangen halt nach einer gründlichen Aufwärmphase, bevor Höchstleistungen möglich sind. Aber dann gibt’s kein Halten mehr.
Historie
Die Schrader-Motor-Chronic in Sachen „Mofas und Mokicks der Siebziger Jahre“ zeigt uns, dass die Maxi schon damals, im Jahre 1970 eine schnittige Rennerin war, die die Jugendlichen liebten, weil sie schon ab Werk schneller lief, als in den Fahrzeugpapieren stand. Wie wir am zeitgenössischen Werbematerial und Prospekten erkennen können, war es zu dieser Zeit durchaus möglich, eine langbeinige Blonde mit einem solchen Geschoss durchaus nachhaltig zu beeindrucken. Oder, wenn die Möff gar der mondänen Blondine ihr Eigentum war, mal mitgenommen zu werden. Vielleicht lernten sich Mama und Papa ja auf dem vom Fahrrad bekannten Gepäckträger der Maxi „lieb haben“! Wer weiß, wieviele der heutigen Rossi-Fans ihr Dasein einer Puch Maxi N unterstützten Baggerei zu verdanken haben? Jedenfalls feierte Puch mit der 48,8 ccm großen und 1,5 PS starken Maschine große Verkaufserfolge und brachte für jeden erdenklichen Zweck Sondermodelle heraus. Später sogar mit luxuriösen Federbeinen am Heck. Man beachte die „Paris Dakar Replika“ für den großen Spaß auf der unrasierten Grünfläche des Nachbarn.
Fazit
So groß der Spaß mit und an der Maxi auch ist, irgendwie bereitet es uns ein unrundes Gefühl, dass sich in den letzten 25 Jahren nicht viel Entscheidendes an unseren urbanen Fortbewegungsmitteln geändert hat. Es sind nur mehr geworden und sie sind teuer. Klar, hat sich an der Komplexität der heutigen Trieb- und Fahrwerke einiges getan. Doch wo ist das überragende, sich in Betriebskosten niederschlagende, Ergebnis all der Einspritzanlagen, Motormanager, Kompressoren, und sonstiger Spielereien? Brauchen wir das alles wirklich, um den 5 Minuten- Weg zur Arbeit morgens zu bewältigen und das Fortbewegungsmittel daraufhin den ganzen Tag auf seinen zweiten 5 Minuten dauernden Einsatz zurück nach Hause warten zu lassen?
Wir meinen NEIN und fahren mit Puch Maxi N weiter zurück in die Zukunft.
Text: pabi
Fotos: Franz I. / oldiemofa.de

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Alter, das Teil rockt ja wohl!!!