TESTBERICHTE
Kawasaki Z 1000 2010
Männer-Manga
Tower of Power
Der Hubraum des komplett neu entwickelten Motors wuchs auf 1043ccm, die schiere Power des turbinenartigen Triebwerks wird auf dem Papier mit 138 PS angegeben. Nach dem ersten Fahrtag möchte daran niemand zweifeln. Die neue Z liefert in jedem Gang aus jeder Drehzahl reichlich satten Schub ab. Ohne Ruckeln, ohne Zuckeln. Selbst, wenn man im Sechser bergauf einem Reisebus zu folgen verdammt ist. Eine Ganganzeige gibt es nicht. Die braucht auch niemand. Dafür ist das neu gestylte Cockpit tatsächlich einstellbar. Nein, nicht in Sachen Helligkeit, sondern im Winkel. Keine schlechte Idee, denn auf Kawas neuem Brenner finden Menschen jeder Bauart wunderbar Platz. Sitzplatz, Fußrastenposition und Lenker passen perfekt. Sowohl für die Langen, wie auch für die Kurzen. Nur der Blickwinkel auf die orange gefärbten Instrumente variiert dementsprechend. Und ist nun eben einstellbar. Gute Lösung. Ob man das Drehzahlbalkendiagramm wirklich braucht, darf bezweifelt werden. Nicht nur, weil es sowieso nicht wirklich gut abzulesen ist, sondern, weil man die Drehzahl auch ohne visuelles Werkzeug bestens einzuschätzen vermag. Erstens kribbelt es, wie erwähnt im entscheidenden Bereich, zweitens ist der Sound ab 6.000 derart rotzfrech brüllend heiser, dass man sich den Blick aufs Instrument jederzeit ersparen kann. Und drittens geht im oberen Drehzahldrittel derart die Post ab, dass man schon anhand des orkanartig anschwellenden Schubs ganz genau weiß, was hier Sache ist.Formel Vier in Vier
Verantwortlich für den Ohrenschmaus auf Formel1 Niveau sind in erster Linie die neuen, nun nur noch zwei Drittel so voluminösen Endschalldämpfer im vier in vier Design der ersten Stunde und die neue Ansaugluftführung mit ihrem wohl vernehmlichen Darth Vader liken Röcheln. Hier passen Vortrieb und Sound perfekt zu einander. Hut ab. Das haben die Ingenieure wirklich gut hingekriegt. Aber nicht nur das.Was wäre ein derart potentes Kraftwerk, ohne den richtigen Rahmen. Was vor 38 Jahren die Fahrer noch in Angst und Schrecken versetzte, arbeitet heute völlig unauffällig zuverlässig. Die Rede ist vom Fahrwerk der Zed. Und das, obwohl der Motor seit der Erstausführung seiner Vierzylindrigkeit im 900 Kubikvolumen ungefähr 100 Prozent Leistung zugelegt hat. 1972 reichten noch knappe 73 PS aus, um die Motorradwelt aus den Angeln zu heben. Diesmal schmiegten die Ingenieure einen derart ultrastabilen Aluminium Käfig um den Vierzylinder-Screamer, dass da garantiert gar nichts mehr wackelt, schwimmt, oder sich aufschaukelt. Zudem zentralisierten sie die Massen zusätzlich durch das fast waagerecht hinter dem Motor im Rahmen liegende Zentralfederbein und verschraubten den Motor an vier, anstatt wie bis her nur drei Punkten tragend im Rahmen. Absolute Stabilität und Direktheit sind die Folge. Der Pilot sitzt zwar nur eine Nuance weiter vorne und tiefer im Gefährt als bei der 2007er Baureihe. Durch den breiteren und weiter vorne positionierten Lenker, sowie durch den sehr kurz gehaltenen Tank ergeben sich jedoch deutlich mehr Bewegungsfreiheit und Kontrolle über das Vorderrad. Überhaupt ist die ganze Z sehr frontorientiert ausgelegt. Sicher auf den Rasten der ZX-10R stehend, streckt der Pilot beim Kurvenjagen den Kopf weit in den Radius hinaus und steuert das Manga-Bike quasi per Gedankenschnittstelle. Ein ganz wunderbares Fahrgefühl, das die Z 1000 des Jahrgangs 2010 da offeriert. Potenziert durch die aggressive Gesamterscheinung euphorisiert diese Nackte tatsächlich und beflügelt zu wahren Schräglagenorgien. Niemals zuvor war es so leicht und stets sicher möglich, in nahezu jeder Landstraßenkurve auf dem Knieslider durch die Gegend zu schlittern. Feedback in seiner gläsernsten Form. Auch die oft gescholtenen Dunlops laufen in diesem Gesamtpaket zur Höchstform auf. Der schmierige spanische Asphalt ist jedenfalls komplett bedeutungslos in der neuen Kawasaki Welt. Für zusätzliche Sicherheit bietet Kawa die Z 1000 in Deutschland ausschließlich mit ABS in der radial montierten Bremserei an. Der Preis von 11.295 Euro geht angesichts des großen Fahspaßes, der sehr guten Verarbeitungsqualität und der neuen eigenständigen Optik mit den aufwändigen Designvarianten absolut in Ordnung.
Pabi
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