TESTBERICHTE
Kawasaki ZX-6R
MotoGP für alle
Optisch ist und bleibt die ZX-6R jedenfalls ein Leckerbissen. Vorne der Keil mit den beiden Scheinwerfern, hinten das schlanke Heck mit dem filigranen Kennzeichenhalter und freiem Blick auf den 180er Sportschlappen. 128 PS bei 14.000 U/Min zaubert Kawasaki aus 600 Kubik. Das Drehmoment von 67 NM liegt bei 11.800 Umdrehungen an. Vollgetankt bringt die ZX-6R gerade mal 200 kg auf die Waage. Das spricht für viel Fahrspaß, entspricht allerdings auch den Daten der Konkurrenz. 11.595 Euro muß man für die Kawasaki berappen. Auch hier bewegt liegt sie auf gleichem Niveau mit anderen 600er Supersportlern.
Gerade 600er Supersportler haben nicht den besten Ruf. Drehorgeln sollen sie sein, untenrum geht garnix. Unbequem auch noch und für längere Fahrten sowieso nicht geeignet. Jeder der eine solche Meinung vertritt, sollte unbedingt mal eine Kawasaki ZX-6R fahren. Die hat nämlich deutlich mehr Qualitäten als man ihr zutraut. Die Sitzposition ist natürlich sportlich. Der Oberkörper ist nach vorne gebeugt, die Füße ruhen auf hohen Rasten. Dazu ist die Sitzbank nicht gerade üppig gepolstert. Dennoch sitzt man durchaus bequem. Auch längere Tagesetappen sind kein Problem. Dies gilt aber nur für den Fahrer. Der hintere Platz hat reine Alibifunktion und taugt auch zum Beenden von Freundschaften. Die Bedienung ist kinderleicht, die Instrumente liegen gut im Blick. Der Blick nach hinten zeigt leider vor allem die eigenen Arme und weniger den Verkehr.
Auf der Straße benimmt sich die ZX6-R ersteinmal lammfromm. Vonwegen Drehorgel, kann man, muß man aber nicht. Im 6. Gang durch Ortschaften fahren? Kein Problem, der Reihenvierzylinder läuft ohne Mucken. Am Ortsausgang aus dem 6. beschleunigen? Auch kein Problem. Die ZX6-R zieht zwar nicht euphorisch aber immerhin sauber durch. Von Verhungern im unteren Drehzahlbereich kann keine Rede sein. Das eigentliche Feuerwerk liefert die Ninja natürlich erst über Drehzahlen ab. 8.000 Umdrehungen sind die magische Marke, dann wird scheinbar der Nachbrenner gezündet und die Leistung explodiert förmlich. Wenn man will bis in den roten Drehzahlbereich. Bitte nicht falsch verstehen. Auch unter 8.000 ist die ZX6-R alles andere als langsam. Bis dahin ist sie zügig, ab 8.000 Umdrehung ist sie sportlich. Aber man kann es nur immer wiederholen: es ist garnicht notwendig. Auf der Landstraße bewegt man die Kawasaki in der Regel im 4. oder 5. Gang, also im durchaus moderaten Drehzahlbereich. Auch dann setzt die ZX-6R jeden Dreh am Gasgriff konsequent in Vorwärtsdrang um. Dabei läuft der Motor ohne störende Vibrationen, egal in welchem Drehzahlbereich. Auch die Klangkulisse kann sich hören lassen. Metallisch kommt dem Sound am nächsten. Der Gänsehautfaktor steigt ganz klar mit der Drehzahl.
Was der Motor der ZX-6R so positiv beginnt, setzt das Fahrwerk nahtlos fort. Wie es sich für einen Supersportler gehört ist das Fahrwerk voll einstellbar. Der serienmäßige Lenkungsdämpfer sorgt bei der Front für Ruhe. Um es kurz zu machen: es ist ein absolutes Gedicht mit der ZX-6R um die Ecken zu fegen. Das Handling ist messerscharf, die einmal eingeschlagene Linie wird von nichts gestört. Gerade auf der Hausstrecke ergeben sich scheinbar nie dagewesene Schräglagen. Hauptverantwortlich ist die neu abgestimmte Gabel. Sie vermittelt ein super Gefühl für das Vorderrad und die Straße. Der Fahrer ist wie mit dem Vorderrad verlinkt. Lenkbefehle und Schräglagenwechsel werden unmittelbar umgesetzt, alles geschieht wie von selbst. Dazu passen auch die perfekten Bremsen. 2 Finger genügen vollkommen um das Vorderrad zum pfeifen zu bringen. Die Verzögerung ist geradezu beängstigend. Leider ist ABS noch kein Standard bei den Supersportlern, aber Honda und BMW haben hier schon vorgelegt. Es ist also wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Fazit
Die aktuelle Kawasaki ZX6-R ist in allen wesentlichen Punkten verbessert. Sie ist leichter, der Motor hat untenrum deutlich zugelegt ohne obenrum zu verlieren, das Fahrwerk ist dank der neuen Gabel rundum gelungen und die Bremsen verzögern brutal. Die Ninja taugt sowohl für den Ritt über den Rundkurs als auch für die Tagestour quer durch die Republik. Damit mausert sich die ZX6-R zum Supersportler mit hervorragenden Alltagsfähigkeiten. Und geil aussehen tut sie auch noch!
Weitere Testberichte Kawasaki Supersportler
Weitere Testberichte Supersportler


0