TESTBERICHTE
Hyosung GT 650 Naked
Lizenz zum Sparen
Verwandtschaft
Sofort, gleich auf den ersten Blick erinnert die GT 650 des koreanischen Motorradherstellers Hyosung an die beliebte SV 650. Der offene Doppelrohrrahmen hält den 90° V2-Zylinder-Motor genauso verschraubt wie bei der Verwandtschaft aus Japan. Und der Motor ist ja augenscheinlich abgekupfert. Doch Halt! Genau hier fängt für jeden potentiellen Käufer das Glück an. Hyosung hat nicht heimlich abgekupfert, sondern baut den V-Twin von Suzuki in Lizenz nach. Kann es noch besser kommen als einen ausgereiften Motor in ein eigenes Fahrwerk zu stecken? So spart man sich eine lange Entwicklungszeit und -kosten, was letztendlich der “Lizenz zum Sparen” gleichkommt.
Optik
Frisch und fesch sieht der Entwurf von Hyosung aus. In natura steht die Nackte lackiert in Gelb Metallic, Blau Metallic und mächtig Schwarz Metallic gut im Strumpf. Die Sonne bringt die eingearbeiteten Glimmerpigmente gut zum Vorschein. Insgesamt wirkt die GT 650 weder altbacken noch uninteressant. Die Linienführung von Tank/Sitzbank verspricht einen guten Knieschluss und ein Sitzen im Motorrad. Nur der Beifahrerplatz ist bauartbedingt mal wieder mehr in Kategorie Schleudersitz einzuordnen. Aber wer das Mitfahren übt, kann es als Yoga sinnvoll nutzen. Der Fahrer selber merkt von der Sozia (oder dem Sozius) Dank des gut funktionierenden Federbeins so gut wie nichts. Die Zeiten, in denen man sich den Beifahrer lieber gespart hätte, weil das Bike hinten derbe einsackte und sämtliche Fahrfreude einem schwammigen Eiertanz wich, sind zum Glück passé.
Fahrwerk
Wo bei Suzuki eine konventionelle Gabel dämpft und federt, kann die Hyosung mit einer Upsidedown-Frontpartie mächtig Eindruck schinden. Wie aus dem Vollen gefräst wirkt die untere Gabelbrücke, vertrauenerweckend solide. Der offen gestaltete Doppelrohrrahmen ist jedoch nur auf Alu-Look getrimmt, hier wurde anders als bei der japanischen Verwandtschaft einfacher Stahl verwendet. Irgendwo muss ja der Sparschweinpreis von 4.999 Euro zu finden sein. Allerdings ist ein ordentlicher Stahlgitterrohrrahmen ja auch zu forscher Gangart zu gebrauchen – Man denke die vielen heißbegehrten Ducatis. Und welcher Alltagsfahrer jagt sein Bike denn überhaupt in Grenzbereichsmanier über öffentliche Straßen und deren Asphalt- und Blitzerfallen?
Versicherungsklasse
Auf den Punkt genau hat der koreanische Hersteller den Motor auf deutsche Versicherungsklassen getunt. Bis an die Grenze von 78 PS darf sich der V-Twin austoben, reicht allemal fürs fröhliche Gasgeben. Dabei gibt sich das Aggregat zwar V-typisch vibrationslüstern, doch unangenehm wird des Fahrers Körper davon nicht attackiert. Das Anno 2004 noch solch ein genussvoller Sound dabei den einen der fünf Sinne erreichen darf, sei hierbei kräftig erwähnt. Es darf also doch noch ein bisschen gepöttert werden. Übrigens ist der Zwei-in-eins-Auspuff sogar aus Edelstahl. Was ein großes Plus in der Verarbeitungswertung beschert.


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