TESTBERICHTE
Harley Davidson Street Glide 2010
Dicker Straßengleiter mit Tourerblut
Motorseitig ist der bekannte luftgekühlte Twin Cam 96 verbaut. In der Street Glide bringen es die 1.584 Kubik auf 82 PS und 127 NM. Bei 355 kg Trockengewicht darf man sicher keine Leistungsexplosion erwarten, aber für standesgemässe Fortbewegung reicht es allemal. Im Stand schüttelt sich der V2 noch kräftig, einmal in Bewegung sind die Vibrationen wie weggezaubert. Die Ausstattung kann man durchaus als komplett bezeichnen: ABS, Tempomat, Harmon-Kardon-Audioanlage, höhenverstellbare Trittbretter, Koffer, etc.. Bei 22.255 Euro geht der Spaß mit der Street Glide los.
Die Sitzposition ist mit 715 mm nicht übertrieben tief, aber auch kurzbeinige Zeitgenossen haben einen sicheren Stand. Der ist beim rangieren der Street Glide allerdings auch bitter nötig. Der Lenker ist schön breit und gibt den Blick auf die für Harley-Davidson ungewohnt reichhaltige Instrumentierung frei. Drehzahlmesser, Voltmeter, Kraftstoffanzeige, erinnert eher an ein Auto denn an ein Motorrad. Mit einem mächtigen Schlag des Anlassers nimmt der Motor seine Arbeit auf. Kaum in Bewegung fallen mindestens 2 Zentner Gewicht von der Street Glide ab. Wer dieses Motorrad mal ein paar Meter rangiert hat, wird sich wundern wie unverhofft einfach sich die Street Glide dann tatsächlich bewegen lässt. Der breite Lenker und der niedrige Schwerpunkt kaschieren das hohe Gewicht zumindest teilweise. Das Getriebe lässt sich fasst perfekt schalten, lediglich der 1. Gang verursacht ab und an ein KLONK. Die gebotene Leistung ist angemessen, der Durchzug trotz der Pfunde super. Der Motor hängt gut am Gas, Verschlucken o.ä. ist ihm fremd. Auch der als Overdrive ausgelegte 6. Gang bietet immer noch ausreichend Reserven und kann bedenkenlos ab 90 km/h eingelegt werden.
Über das Fahrwerk kann leider nicht durchweg Positives berichtet werden. Solange die Fahrbahnqualität gut ist, gibt es wenig Grund zu klagen. Sobald der Belag jedoch schlechter wird, fängt es an ungemültich zu werden. Hier fordern die gerade mal 54 mm Federweg hinten doch ihren Tribut. Wirklichen Komfort kann man damit nicht erreichen. Auch die Trittbretter nehmen entsprechend frühzeitig Kontakt zur Straße auf. Schade eigentlich, denn ausgerechnet das dynamische Design verhindert jegliche dynamische Fortbewegung. Positiv zu erwähnen ist neben der bequemen Sitzposition auch der gute Windschutz der Verkleidung. Der Helm liegt aufgrund der gekürzten Scheibe zwar im Wind, aber der Oberkörper wird doch deutlich vom Winddruck entlastet. Die Koffer sehen zwar chic aus, bieten aber nicht wirklich viel Volumen. Der karge Soziusplatz und das überforderte Fahrwerk stehen dauerhafter Ausfahrt zu zweit ohnehin im Weg. Und für eine Person reichen die Koffer allemal.
Fazit
Die Street Glide sieht verdammt gut aus. Flaches Heck trifft Batwing Verkleidung. Dazu ist sie sehr gut ausgestattet und bringt die gewohnte Lässigkeit von Harley-Davidson im Antrieb mit. Dennoch hinterlässt die Street Glide einen zwiespältigen Eindruck. Das Fahrwerk leidet unter dem gekürzten Federweg, Soziuskomfort ist nicht vorhanden. Dazu kostet die Street Glide deutlich mehr als die Electra Glide Standard, die sowohl mehr Federweg als auch einen vernünftigen Platz für den Beifahrer mitbringt.
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