TESTBERICHTE
Aprilia Tuono 1000 R
Thunfisch oder Donnervogel
Nichts für Grobmotorische
Der Donnervogel macht nämlich gleich nach der, Dank Einspritzung immer kurzen, Startprozedur mit lautem Bollern klar, dass hier richtig Leben in der Bude steckt. Sogar gestandenen Superbikern flößen die robust vibrierenden Lebensäußerungen des Rotax-V2 schon im Stand Respekt ein. Und den braucht es auch. Sowohl der Antritt der Fuhre, als auch ihr Verzögerungsvermögen sind nichts für Grobmotorische. Besonders in den unteren beiden Gängen passiert ein Wheelie schneller, als so manchem lieb sein dürfte.
Wer mit 4.000 Ummis durch die Gegend bummelt und dann unwirsch die Drosselklappen öffnet, sollte sich immer im Klaren darüber sein, dass ein Überschlag nach hinten zwar beim Bodenturnen gute Noten gibt, beim Motorradfahren aber immense Schmerzen und Kosten verursachen kann. Von der üblen Blamage und dem schweren psychischen Schaden ganz zu schweigen. Gleiche Warnmeldung gilt es für die radial montierten goldenen Brembo-Stopper auszusprechen. Aus hohen Geschwindigkeiten sind sie gut dosierbar und mit derart deutlich identifizierbarer Steigerungsrate ausgestattet, dass es nur so eine Freude ist, sie auf der Rennstrecke herauszufordern und die Bremspunkte provokativ spät zu setzen. Bei, durch Unachtsamkeit ausgelösten, Schreck-Bremsungen im Innenstadtgetrödel droht analog der ganz normale Salto vorwärts.
Landstraßen Rodeo
NEIN, jetzt kommt mir nicht mit ABS und Traktionskontrolle oder Überschlagsensor. So ein Weichspülblödsinn ist vielleicht was für die Formel-1, hat an dieser Diva aber mal rein gar nichts zu suchen. Die Tuono beglückt viel mehr mit ihrem strammen Körper, als dem Bemühen, die langweilige Sucht nach Perfektion zu befriedigen. Die Federelemente sind von Haus aus megastraff. So straff, dass es Dir auf Landstraßen unterster Kategorie mit ordentlichem Buckelbelag fast den Leker aus der Hand schlägt und Du auf dem dünnen Kissen umher hopst, wie ein altersschwacher Jockey beim Rodeo. Da fliegt die Frau Welte auf der hoffnungslos untermotorisierten Pegaso Dank ihrer besseren Bodenhaftung locker vorbei. Das gibt’s doch nicht! Aber jeder ernsthafte Versuch, Gegenmaßnahmen einzuleiten, und die Tuono mit einem beherzten Dreh am Gasgriff inne vorbei zu drücken, würde mit einem Ausflug in die tiefen Straßengräben enden. Und so gut bin ich nur auch nicht versichert. Bei der Reduktion der Federvorspannung kann Dir aber leider auch das Bordwerkzeug nicht helfen. Die entscheidenden Schlüssel fehlen schlicht! Doch was soll’s. Schließlich käme auch niemand auf die Idee, ernsthaft mit dem Trecker auf der Rennstrecke fahren zu wollen. Also führten wir den Thunfisch, sorry, den Donnervogel gleich nach der holperigen Eifeltour auf’s ureigene Geläuf des abgesperrten Rundkurses von Continental.


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